Vor Jahresfrist ist die offizielle Politik aus der Atomenergie ausgestiegen. Noch heute bleibt die Frage des wie aber unbeantwortet – alternativ dazu wird sie mit falschen Zahlen untermauert. Fakt ist aber, dass gegen 40 Prozent unserer Energieproduktion nach wie vor aus Kernenergie stammen. Würden wir umgehend darauf verzichten, wären die Energie-Fantasten, welche die Welt mit der Sonne erklären wollen, relativ schnell ruhig. Denn der Schweiz im Allgemeinen und dem Thurgau im Besonderen fehlt es an sinnvollen Alternativen zur Kernenergie. Ohne Kernenergie wären die zertifizierten Energiestädte wie Frauenfeld zwischenzeitlich ohne Strom.

 

Gibt es Alternativen zur Kernenergie?

 

Die Wasserkraft könnte zwar zugegebenermassen noch ausgebaut werden, doch wer möchte ein Wasserkraftwerk am Rheinfall? Wer möchte intakte Landschaften mit zusätzlichen Staumauern „verschandeln“ und würden die Umweltverbände Hand zu einer solchen Lösung bieten?

 

Das Potential der Geothermie ist zugegebenermassen riesig – ja schier unendlich – aber St. Gallen ist nicht Reykjavik! Während es in Island tatsächlich raucht – Reykjavik hiesst übersetzt ja rauchende Bucht – rauchen in St. Gallen vor allem die Köpfe der Ingenieure. Aber im Unterschied zu Island liefert die Geothermie in der Schweiz noch keinen Strom ins Netz. Zumal für die Stromerzeugung eine Wassertemperatur von 300 Grad und mehr nötig wäre – was hierzulande wahrscheinlich nirgendwo erwartet werden darf. Geothermie-Projekte in der Schweiz sind also primär Fernwärme-Projekte.

 

Also verbleiben bei der Stromproduktion nur noch wenige Alternativen. Ich war im letzten November in Dubai. Dort wird Erdöl direkt zu Strom verbrannt – mit minimalem Wirkungsgrad und maximalem CO2-Ausstoss. Für Öl sind wir wohl hierzulande definitiv zu wenig Wüstensöhne. Viel besser wäre dann schon ein Gaskraftwerk – doch die Abhängigkeit zum Ausland bleibt beträchtlich – und der CO2-Ausstoss leider auch.

 

Da mag man mir die kritische Frage stelen, warum die Deutschen es voraussichtlich schaffen werden, aus der Kernenergie auszusteigen, wir aber nicht? Zwei Antworten: Erstens ist der Anteil an Kernenergie in Deutschland knapp die Hälfte vom Anteil in der Schweiz. Zweitens und viel wichtiger. In Deutschland werden Kohlekraftwerke als umweltfreundlich betrachtet – bei uns hingegen nicht.

 

Die älteste auf der Internetseite des Bundesamtes für Energie verfügbare Gesamtenergiestatistik datiert aus dem Jahr 1997. Damals produzierte die Schweiz 57.4 Prozent des Stroms aus Wasserkraftwerken, 39.6 Prozent aus Kernkraftwerken. Seither sind 15 Jahre vergangen. Anfangs Juli wurde die Energiestatistik 2012 veröffentlicht. Verändert hat sich erstaunlich wenig – ausser, dass heute viele von Energie-Subventionen profitieren. Im Jahr 2012 wurden 58.7 Prozent des Stroms aus Wasserkraft und 35.8 Prozent aus Kernkraft hergestellt. Gerade einmal 2.8 Prozent des Stroms wurden aus neuen erneuerbaren Energien produziert – zynischerweise unter Aufrechnung einer grossen Menge von „sauberem“ Strom aus Kehrichtverbrennungsanlagen – und dies, obwohl jährlich in Bund und Kantonen rund 1.5 Milliarden Franken Subventionen ausgerichtet werden. In den vergangenen 25 Jahren wurde mehr Geld in die neuen Erneuerbaren Energien investiert, als 25 Jahre zuvor in die Kernenergie. Mit dem erstaunlichen Effekt: Die Tausenden von Photovoltaik-Anlagen produzieren aber nicht einmal 5 Promille Elektrizität, die Windkraftwerke 1 Promill und die Geothermie 0!

 

Allen Sonnenhuldigern in diesem Kanton – den Böhnis, Eggers und Gemperles und wie die uneigennützigen Vertreter aller Parteien doch alle heissen sei in Erinnerung gerufen, dass Sonne und Wind kommen und gehen. Damit aber eine Energiewende stattfindet, sind  über 35 Prozent der Stromproduktion durch CO2-freie Energieträger zu ersetzen. Dies ist aber leider unmöglich.

 

Die Energiewende lebt also indirekt vom Atomstrom. Denn ohne Atomstrom würde sofort klar, dass eine Energiewende eine Illusion und/oder stark umweltschädlich ist. Diejenigen, welche die Energiewende mit Nachdruck vertreten, tun dies einerseits im Wissen um ihren persönlichen Profit, andererseits im Wissen um Atomstrom. Nur so können sie die sichere Stromversorgung der Schweiz garantieren. Wer heute behauptet, die Energiewende sei Tatsache, ist ein Energie-Leugner.  

 

27.08.2013 | 1091 Aufrufe