Die Expo2027 ist vom Tisch die St. Galler wie auch die Thurgauer Stimmbevölkerung lehnten am Sonntag den Planungskredit für die mögliche Landesausstellung ab. Die Oberthurgauer Nachrichten sprachen mit Befürwortern und Kritikern des gebodigten Projektes.

Expo-Nein Er sei zufrieden mit dem Nein zum Planungskredit, sagt der Romanshorner SVP-Kantonsrat Urs Martin, der sich im Vorfeld der Abstimmung kritisch über die mögliche Landesausstellung in der Ostschweiz gezeigt hat. «Schlussendlich zeigt das Resultat, dass ich mit meiner Meinung doch nicht ganz alleine gewesen bin», so Martin. Überrascht habe ihn das Resultat indes nicht: «Wer sich vor der Abstimmung beispielsweise in den Restaurants in der Region umgehört hat, musste mit einem Nein rechnen», so der Romanshorner. Zu den Gründen zählt der Kantonsrat den krassen Gegensatz zwischen politischer Ebene und der Bevölkerung. «Gemeindepräsidenten, Verbände und Kantonsräte waren praktisch geschlossen für das Anliegen, die Bevölkerung dagegen.»

Fehlende Bilder und Sujets

Davon, dass der Thurgau die Expo als Chance nicht nur verdient, sondern gebraucht hätte, spricht FDP-Kantonsrätin Brigitte Kaufmann aus Uttwil. «Die Thurgauer und St. Galler haben sich aber dafür entschieden, nicht prüfen zu wollen, ob eine Expo machbar gewesen wäre das gilt es zu akzeptieren», so Kaufmann. Es sei jedoch schwierig gewesen, im Abstimmungskampf ohne Bilder, Sujets und Ideen operieren zu müssen «dazu hätte ja eben der Planungskredit gedient», so Kaufmann. Nun gelte es, den Thurgau ohne Expo weiter zu entwickeln. «Wenn wir Arbeitsplätze erhalten und ausbauen, moderne Ausbildungsplätze anbieten wollen, dann müssen wir unsere Attraktivität steigern beispielsweise mit Aufwertungen in den Naherholungsgebieten, weiteren Stegen und attraktiven Hotels», sagt sie. Die Expo hätte als Beschleunigungsfaktor insbesondere in Sachen BTS/OLS wirken können, meint Kaufmann. Bei einem Ja hätte der Bund vieles mitfinanziert, «nun geht das Geld vermutlich ins Bündnerland an eine Olympiade und wir zahlen mal wieder alles selbst», so Kaufmann.

«Der Bevölkerung fehlten Details»

Auf einen anderen Ausgang der Abstimmung hätte man auch bei Thurgau Tourismus mit Sitz in Amriswil gehofft: «Die Enttäuschung ist gross. Wir haben uns einiges erhofft aus der nächsten Phase, die hätte auf uns zukommen können», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Vielleicht sei es zu früh gewesen, die Vision bereits jetzt zur Abstimmung zu bringen, sinniert Müller. «Aber bei der Planung stand man an der Grenze, an welcher man Geld in die Hand hätte nehmen müssen. So fehlten der Stimmbevölkerung womöglich Details zur möglichen Expo», so Müller. All dies sei jedoch Kaffeesatzlesen. «Der Entscheid ist glasklar gefallen». Vor allem über die Deutlichkeit sei man konsterniert.

 

Von Benjamin Gahlinger, Oberthurgauer Nachrichten vom Donnerstag, 9. Juni 2016, Seite 4

09.06.2016 | 2941 Aufrufe