Im Ostschweizer Online-Duell übertrumpfen die St.Galler Kantonsräte die Thurgauer Grossräte. Erstere sind auf allen Ebenen der Online-Kommunikation aktiver als ihre Thurgauer Kollegen, wie eine kürzlich veröffentlichte Analyse des Onlinedienstes «Wahlhelfer.ch» zeigt.

Dabei wurde die Online-Kommunikation der amtierenden Parlamentarier während des vergangenen Oktobers unter die Lupe genommen. Dies mit dem Ziel, herauszufinden, welche Parlamentarier die Stimmbürger besser über ihre politische Arbeit informieren. Denn in den kommenden Monaten werden in St.Gallen (am 28. Februar) und im Thurgau (am 10. April) die Kantonsparlamente neu gewählt.

«Wir wollten die Untersuchung durchführen, bevor alle vor den kantonalen Wahlen noch kurz die Onlinedienste nutzen», sagt «Wahlhelfer.ch»-Geschäftsführer Janick Tagmann. Im Fokus stand die Nutzung von persönlichen Internetseiten sowie der Kanäle der sozialen Medien Twitter und Facebook.


Von den 120 St.Galler Kantonsräten verfügen 41 Prozent über eine eigene Internetpräsenz, im Thurgau sind es 35 Prozent. Davon wurde im untersuchten Zeitraum – trotz der Nationalratswahlen am 18. Oktober – nur ein Bruchteil aktiv betrieben (22 Prozent in St.Gallen, 20 Prozent im Thurgau). Nur ein Fünftel nutzt Webseite

 

Differenziert wurde in der Analyse auch zwischen den einzelnen Parteien. Die aktivsten Webseitenbewirtschafter gehören in beiden Kantonen der SVP an. In St.Gallen sowie im Thurgau wurden mehr als die Hälfte der im Oktober genutzten Webseiten von SVP-Parlamentariern betrieben.

Ostschweizer Parlamentarier verwenden aber nicht nur ihre eigenen Internetseiten, sondern auch soziale Medien wie Twitter und Facebook. Auch hier schwingen die St.Galler mit 27 gegenüber 22 Prozent obenaus. Bei Facebook sind es 15 gegenüber 8 Prozent.

Bei der Aktualität der Profile sind die Unterschiede noch deutlicher. Während in St.Gallen fast die Hälfte aktiv auf Twitter ist, ist es im Thurgau lediglich ein Fünftel. Auf Twitter interagierten St.Galler 383mal mit ihren Wählern und bedienten dabei mit ihren Botschaften durchschnittlich 76 Follower.

CVP und SVP liegen vorn

Die insgesamt fleissigsten Online-Wahlkämpfer stammen aus den Reihen der CVP und der SVP: Im Kanton St.Gallen liegt Thomas Ammann (CVP) an der Spitze, im Kanton Thurgau Diana Gutjahr (SVP). Es fielen nicht nur Webseitenbeiträge ins Gewicht, sondern auch die Verlinkung mit Twitter und Facebook. Der neu in den Nationalrat gewählte Thomas Ammann publizierte im Oktober acht Webseitenbeiträge, war 30mal auf Twitter und 17mal auf Facebook aktiv. Dahinter liegen im Kanton St.Gallen Ivan Louis (SVP) und Linus Thalmann (SVP).

Im Kanton Thurgau wurde Diana Gutjahr mit vier Beiträgen auf Internetseiten, 31 Twitter-, sowie 16 Facebook-Einträgen zur Online-Königin gekürt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Urs Martin (SVP) und Josef Gemperle (CVP).

Mehr Potenzial vorhanden

Gemäss «Wahlhelfer.ch» ist die Bedeutung von Online-Kommunikation bei kantonalen Wahlen im Vergleich zu nationalen Wahlen gering. Ende Oktober wiesen sämtliche St.Galler Kantonsräte auf Twitter etwas mehr als 2400 Follower auf. Im Vergleich dazu liegt der St.Galler Nationalrat Lukas Reimann (SVP) mit über 9400 Followern deutlich vorne. Dennoch sieht Janick Tagmann weiteres Potenzial: «Mit wenigen Ausnahmen nutzen Ostschweizer Parlamentarier Online-Kommunikation unzureichend oder gar nicht», sagt er. Natürlich werde dieses Mittel das persönliche Gespräch nie ersetzen. «Es stellt aber eine gute Möglichkeit dar, mit wenig Aufwand mehr und auch neue Wähler zu erreichen.»

Mittlerweile haben übrigens Thomas Ammann und Diana Gutjahr ihren Sieg im Online-Duell der Kantonsparlamente bereits auf Twitter gemeldet.

Samuel Koch, Thurgauerzeitung, 14. Januar 2016

03.02.2016 | 1419 Aufrufe