Die Ostschweizer Regierungen überbieten sich mit Kritik an der neuen Lösung, wonach ein Chefredaktor für 14 Regionalzeitungen in der Inner- und der Ostschweiz zuständig sein soll. Ich frage mich aber, was an dieser Lösung schlecht sein soll? Zum einen hilft die Massnahme den unter sinkenden Auflagen leidenden Titeln, Kosten im Griff zu halten, zum anderen dürfte die Massnahme auch zu mehr journalistischer Qualität verhelfen! Denn bisher mussten wir aus lokalpolitischen Gründen über das kleinste Bauchweh unserer Bundesparlamentarier lesen, selbst wenn sowohl das thematisierte Bauchweh als auch der Parlamentarier in Bern völlig irrelevant waren. Sogar die Unbekanntheit einzelner Volksvertreter wurde à gogo thematisiert, um damit den Bekanntheitsgrad des völlig Unbekannten noch zu steigern. Neu werden wir hoffentlich nur noch von denjenigen Parlamentariern lesen, welche effektiv den Ton angeben. Ob dies nun Ostschweizer sind oder andere, ist ja völlig egal. Ich möchte ja wissen, wer in Bern effektiv etwas bewegt. Wenn aber ein Ostschweizer Volksvertreter vier Jahre nie in unserer Zeitung stand, muss er sich wohl überlegen, ob er seine Arbeit richtig gemacht hat. Ich bin aber überzeugt, dass wir alles Wissenswerte über unsere Ostschweizer weiterhin lesen können. Aus Thurgauer Sicht wäre im Übrigen die Ernennung des neuen Chefredaktors kein Jammer, sondern ein freudiges Ereignis! Dieser ist journalistisch versiert und kennt unseren Kanton, seine Eigenheiten und die Thurgauerzeitung aus dem Effeff. Dies war bei der jetzigen Chefredaktion in St. Gallen leider nicht der Fall.

 

Thurgauerzeitung, 24. Februar 2016.

24.02.2016 | 4662 Aufrufe