Es ist zweifelsohne wichtig, dass auch die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs ausgebaut und weiter entwickelt wird. Fast jeden Tag bin ich etwa am Bahnhof Stadelhofen in Zürich – einem wahren Nadelöhr und dort ist es für mich unabdingbar, dass ein viertes Gleis zur Entlastung gebaut wird. Aber vieles von dem, was in FABI ist, ist masslos und würde nicht gebaut, wenn es diejenigen, welche es im Parlament beschlossen hätten, auch selber bezahlen müssten.

 

FABI als Resultat eines türkischen Basars

Bundesrätin Doris Leuthard hat zu handen des Parlaments eine Vorlage verabschiedet, welche Ausbauvorhaben von 3.5 Milliarden Franken umfasste. Das Parlament – die Anwesende ausgeschlossen – machte hieraus im Stile eines türkischen Basars fast eine Verdoppelung – nämlich 6.4 Milliarden Franken!  

 

1 Minute kostet 500 Millionen

Benedikt Weibel, früherer SBB-Chef und gewiss kein Gegner des öffentlichen Verkehrs hat nachgerechnet, dass eine Minute Beschleunigung von Zürich nach Chur 500 Millionen Franken kostet – eine masslose Summe.

 

Am 19. Januar 2014 rechnete Bahnexperte Hanspeter G. Wägeli, langjähriger SBB-Presseschef, Träger der goldenen Schiene und Ehrenmitglied des Verkehrshauses Luzern nach, warum er entschieden gegen FABI ist:

 

Beispiel Waldenburgerbahn im Baselland: Das Schmalspurbähnli verkehrt auf 13 Kilometer Strecke ab Liestal ins verträumte Frenkental und wünscht sich 270 Millionen Franken für eine Generalüberholung mit neuen Zügen, Perrons und Signalen; mindestens 155 Millionen sollen aus dem Fabi-Topf kommen.

 

Ein Fiat 500 für jeden ist günstiger

Beispiel Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS). Zwischen den beiden Städten sollen Regionalzüge seltener halten – die vernachlässigten Bahnhöfe der Orte Schalunen, Büren zum Hof und Grafenried würden dafür von der eigens zu verlängernden S-Bahn-Linie 8 bedient. Die Kosten dieser Umstellung, wie ein zusätzlicher Zug mit Waggons, Personal, Kapitalkosten und Unterhalt summieren sich auf rund 40 Millionen Franken. Jedem der insgesamt 1825 Einwohner der drei Ortschaften ein Auto zu kaufen, so Wäglis sarkastisches Fazit, «käme günstiger als die Gesamtkosten dieser Linienverlängerung», Säuglinge und Greise inbegriffen. Im Budget wäre etwa ein gut ausgestatteter Fiat 500 (ohne Flottenrabatt).

 

Daneben bringt FABI zahlreiche weitere sinnlose Ausbauvorhaben und die Ostschweiz profitiert kaum, dafür müssen Pendler mit einem Arbeitsweg über 10 km und Gewerbe stark in die Tasche greifen.

 

FABI ist masslos

Die Eisenbahninfrastruktur muss zweifellos ausgebaut werden, aber dort, wo es Sinn macht und nicht dort, wo sie niemand benutzt. Schon heute ist der Kostendeckungsgrad des Personenverkehrs auf der Schiene nur gerade gut 40%. Mit sinnlosen FABI-Projekten, verschlechtert sich dieser noch zusätzlich. Und man bedenke – neue Infrastrukturen müssen auch in Zukunft unterhalten werden und verursachen Unterhaltskosten, welche in FABI nicht drin sind.

 

Wir können uns FABI nicht leisten. FABI ist überrissen und masslos. Daher bin ich dagegen! 

23. Januar 2014

23.01.2014 | 5118 Aufrufe