Ich muss zugeben, dass ich überrascht darüber war, welche starken Diskussionen unser Vorstoss ausgelöst hat. Einerseits haben ihn Vertreter aller Fraktionen unterschrieben, andererseits gibt es auch in allen Fraktionen Personen, die ihn ablehnen. Die von Peter Schütz und mir am 11. Mai 2011 eingereichte Parlamentarische Initiative, bei welcher wir im Nachhinein merkten, dass wir auch in der Person von Kantonsrat Peter Gubser einen prominenten Befürworter haben, zielt nicht gegen die PH Thurgau – im Gegenteil. Sie möchte auf den alten Stärken der PHTG aufbauen. Denn war es nicht der berühmte Direktor Willy Schohaus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Umschulungskurse eingeführt hatte? Und waren es nicht viele dieser „Umschuler“, die den Ruf des Lehrerseminars Kreuzlingen – wie es früher hiess – über Jahre hinweg schweizweit prägten. Heute ist die Situation leider eine andere. Die PHTG strebt nach höherem, die Basis geht dabei leider vergessen.

 

Der Auftrag der PHTG muss es sein, genügend und gute Lehrkräfte für den Kanton Thurgau auszubilden – PUNKT. Es braucht keine Verakademisierung und kein Schein-Universitätsgebaren. Die Pädagogische Hochschule hat einzig dafür zu sorgen, dass im Thurgau hervorragende Lehrer ausgebildet werden, um unsere Schüler zu entsprechenden Leistungen zu motivieren.

 

Indem man der Verakademisierung des Lehrerberufs mittels der Erleichterung des Zugangs für Praktiker entgegentritt, rütteln wir offenbar ungewollt auch am Selbstbewusstsein einzelner Vertreter der PHTG, welche die PHTG gerne mit noch mehr akademischen Primborium anreichern würden und sich am liebsten auf einer Stufe mit Spitzenuniversitäten sehen würden. Doch die Lehrerausbildung braucht alles andere als akademische Meriten. Sie braucht mehr Praxisbezug.

 Obige Entwicklung steht leider ganz in der Linie der bürgerfernen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), welche die Bürokratisierung der Schule munter systematisch vorantreibt und am liebsten eine schweizweite Zentralisierung des Bildungswesens unter eigener Federführung – und damit ohne demokratische Kontrolle – installieren würde. Stichworte wie HarmoS, Sonderpädagogik-Konkordat oder Lehrplan21 lassen grüssen.

 

Schuster bleibt bei deinen Leisten! Dieses Motto muss auch für die Tätigkeit der PHTG Geltung haben. Wir brauchen keine Lehrpersonen, die den Job nur wegen kurzfristig-monetärer Überlegungen wählen und nach zwei Jahren für immer verlassen und im Normalfall eine Weltreise machen. Wir brauchen keine Lehrpersonen, die den Job nur als Sprungbrett für ein Studium wählen.

Wir brauchen heute vor allem Lehrpersonen, die wieder Vollzeit für die Klasse da sind und nicht nur 10 oder 20 Prozent-Teilzeitlehrpersonen. Denn heute haben Kinder ein Bedürfnis nach einer festen Ansprechperson und nicht nach einem Durcheinander an Betreuungspersonen. Wir brauchen mehr Praktiker, damit die Sprachlastigkeit der Schule korrigiert wird und Kinder auch wieder Freude für die Naturwissenschaften entwickeln. Und bei den heute vielerorts zerrütteten Familienverhältnissen brauchen Kinder gerade heute auch männliche Bezugspersonen, weil ihnen der Vater fehlt.

 

Ich komme zum Schluss. Unsere Parlamentarische Initiative möchte die PHTG stärken und nicht schwächen, sie entgegnet dem Lehrermangel und setzt ein wichtiges Zeichen gegen die Verakademisierung der Volksschule und macht den Lehrerberuf für Männer attraktiver. Sie ist daher nötiger denn je.

15.08.2011 | 1757 Aufrufe