Wie kam es dazu?
Die Auswüchse der heutigen Lehrerausbildung sind eindeutig mit der Einführung des Bologna-Systems verknüpft. Weil sich die Schweiz dem – nicht positiv zu wertenden – angelsächsischen Trend bei der Bezeichnung der Studien anzupassen hatte, verlieh man den Primarlehrern den Bachelor- und den Sekundarlehrern den Master-Titel. Damit war der Grundstein für die Verakademisierung der Lehrerausbildung gelegt.

Die Schweiz kennt als eines von nur wenigen Ländern in Europa das duale Bildungssystem. Aufgrund dessen verfügte die Schweiz lange Zeit über gut ausgebildete, weltweit geschätzte Fachkräfte. Die Umorientierung in der heutigen Lehrerausbildung in der letzten Dekade hatte die Abwendung von der Wirtschafts- und Berufswelt zur Folge. Die Ausbildungszeiten für Lehrer wurden verlängert, weniger praxisnah gestaltet, aber die Attraktivität des Berufs gegenüber Berufen in der Wirtschaft weiter geschwächt.

Langeweile statt Leistung
Bestand der Auftrag der Lehrerausbildung bis anhin stets darin, genügend und top ausgebildete Lehrkräfte bereit zu stellen, so hat sich dies unter «Bologna» stark gewandelt. An Pädagogischen Hochschulen steht anstelle solider Lehrerausbildung theoretische Forschung im Zentrum. Pädagogische Hochschulen wollen Akademiker-Schmieden und nicht mehr Ausbildungsinstitute für Lehrer sein.

In Zollikofen bei Bern wurde gar eine Hochschule geschaffen, welche selbst Berufsschullehrern eine akademische Laufbahn ermöglicht.

Statt die Lehrer mit Übungsschule und Praktika auf ihren künftigen, herausforderungsreichen Arbeitsalltag vorzubereiten, wird an der Pädagogischen Hochschule Thurgau beispielsweise über so wichtige Dinge wie «die Langeweile» geforscht! Kein Wunder, dass bei solchen Übungen Männer kaum mehr den Lehrerberuf anstreben.

An der gleichen Schule wurde soeben die Stelle des Rektors neu besetzt. Die Wahl fiel nicht etwa auf eine Persönlichkeit mit Wirtschaftserfahrung. Nein – die Stelle wird neu von einer Frau bekleidet, welche die Frühsexualisierung der Kinder verharmlost. Und ihr Lebenspartner steht dem Zürcher Ableger der ultralinken «Erklärung von Bern» vor. Für mich ist eine solche Wahl unverständlich, insbesondere weil der Präsident des Auswahlgremiums ein erfolgreicher bürgerlicher Bauunternehmer ist.

Praxis statt Brimborium
Die Kernaufgabe der Pädagogischen Hochschulen muss darin bestehen, genügend und gute Lehrkräfte auszubilden. Es braucht weder Verakademisierung noch «Schein-Universitätsgebaren». Die Pädagogischen Hochschulen haben einzig dafür zu sorgen, dass sehr gut qualifizierte Lehrer ausgebildet werden, welche unsere Schüler zu entsprechenden Leistungen motivieren.

Eine Möglichkeit, den Lehrerberuf insbesondere auch für Männer wieder attraktiver zu machen, besteht darin, die Eintrittshürden zu den Pädagogischen Hochschulen weniger akademisch zu gestalten. Berufsmaturanden sollen zugelassen werden. Überdies sind Umschulungskurse für Berufsleute zu schaffen. Allerdings stossen solche Forderungen auf erbitterten Widerstand, wie sich dies im letzten Jahr im Falle des Kantons Thurgaus gezeigt hat.

publiziert in der Schweizerzeit vom 6. April 2012.

06.04.2012 | 1795 Aufrufe