Expo2027 Die nächste Landesausstellung soll im Jahr 2027 in der Ostschweiz stattfinden. Der Fahrplan der Kantone Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau sieht vor, dass in den nächsten Jahren eine Machbarkeitsprüfung durchgeführt und anschliessend das Bewerbungsdossier beim Bund hinterlegt wird. Doch bereits die Vorplanung eines solchen Grossereignisses ist nicht günstig: Aus diesem Grund kann die Thurgauer Stimmbevölkerung parallel zu den St. Gallern am 5. Juni 2016 über den Planungskredit von drei Millionen Franken an der Urne entscheiden. Obwohl mit dieser Abstimmung weder über den genauen Inhalt der Expo noch über die Ausführung an sich entschieden wird, regt sich bereits Widerstand gegen den Planungskredit: «Die drei Millionen sind für den Kanton stemmbar», sagt SVP-Kantonsrat Urs Martin aus Romanshorn, warnt aber vor den Konsequenzen bei einem Ja: «Die eigentlich Gefahr des Planungskredits ist jedoch, dass damit etwas ins Rollen gebracht wird, das kaum mehr zu stoppen sein wird», so Martin. Das Grossprojekt «Expo2027» sei ein Hosenlupf, welcher für den Kanton und die ganze Region nicht verkraftbar wäre, sagt Martin weiter.

Expo soll auch Nutzen bringen

Brigitte Kaufmann, ehemalige Uttwiler Gemeindepräsidentin und jetzige FDP-Kantonsrätin, will sich noch nicht als Expo-Befürworterin bezeichnen lassen. «Ich bin jedoch eine Befürworterin der kommenden Abstimmung», so Kaufmann. Damit sich die Menschen überhaupt ein klares Bild egal ob pro oder contra von der Landesausstellung machen können, sei eine sorgfältige Planung nötig. «Klar ist, dass die Expo2027 nicht nur Kosten verursachen darf, sondern Entwicklungen auch wirtschaftliche zur Folge haben muss», sagt Kaufmann. Die Frage am 5. Juni an das Stimmvolk laute demnach nicht, «Ja oder Nein zur Expo», sondern ob überhaupt Geld in die Hand genommen werden soll, um herauszufinden, wo bei einem solchen Grossprojekt die Chancen für die Wirtschaft liegen.

«Ein finanzielles Abenteuer»

Chancen, die der SVP-Vertreter Urs Martin nicht hoch einschätzt: «Im Oberthurgau haben Gemeinden ja bereits Mühe, 600 000 Franken für ein gedecktes Schwimmbad bereit zu stellen. Bei der Expo ginge es dann aber plötzlich um Beträge im dreistelligen Millionenbereich für Kanton und Gemeinden», so Martin. Auch der Kanton Thurgau laufe bereits auf dem Zahnfleisch. «Aus meiner Sicht ist die Expo ein zu grosses finanzielles Abenteuer», begründet Martin seine Ablehnung gegenüber den Planungskredit.

«Endlich selbstbewusst auftreten»

Abseits der Politik, im Bereich Kunst, sorgt der Planungskredit für weniger Diskussionsstoff: «Drei Millionen für den Thurgau sind doch heute kein grosser Betrag mehr», meint Kunstmaler Willi Oertig aus Kradolf. Er befürwortet die Pläne für die Expo und sieht darin eine Chance, die Vielfältigkeit der Region aufzuzeigen. «Es heisst immer wieder, im Thurgau müsse man selbstbewusst auftreten, um nach Winterthur nicht in Vergessenheit zu geraten eine Landesausstellung in der Ostschweiz wäre doch die perfekte Gelegenheit dazu. Unter anderem könnte so auch das Kunstschaffen aus der Region gezeigt werden», so Oertig. Hans Geisser, Geschichts-Kolumnist in den Oberthurgauer Nachrichten und Konservator des Historischen Museums Arbon äussert sich ebenfalls positiv zur Expo: «Mit heute 78 Jahren werde ich die Ausstellung kaum besuchen können. Gleichwohl werde ich Ja stimmen. Die für die Projektierung benötigte Grundwelle der Zustimmung muss jedoch von der heute aktiven Generation kommen.»

 

Benjamin Gahlinger, Oberthurgauer Nachrichten, 10. März 2016.

10.03.2016 | 1130 Aufrufe