Das Bundesamt für Gesundheit ist absolut führend - führend, wenn es darum geht, die Freiheit der Bürger einzuschränken, zu moralisieren und die objektive Faktenlage durch die Achtundsechziger-Brille zu verzerren.

Mit dem Geld der Bürger wird Alkohol verdammt, Cannabis gefördert, Rauchen diskriminiert und die Kommunikation der Aids-Risiken richtet sich nicht nach den Realitäten, sondern den sexuellen Vorlieben der BAG-Verantwortlichen. Doch damit nicht genug. Neuerdings wird neben dem Brandmarken der Alkoholtrinker auch eine Hetze auf Fettleibige betrieben, obwohl wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein gewisses Mass an Übergewicht zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt. Neuster Clou: Bundesrat Couchepin lässt verwaltungsintern ein Präventionsgesetz erarbeiten, welches die Bürger professionell umerziehen soll.

Schutz der Gesundheit

Der Bund trifft im Rahmen seiner Zuständigkeiten Massnahmen zum Schutz der Gesundheit." So steht es in der Bundesverfassung geschrieben. Der Bund hat die Aufgabe, die Bevölkerung vor Seuchen und sonstigen Gesundheitsrisiken zu schützen. Dieser Grundsatz ist richtig und wird von niemandem bestritten, denn die Volksgesundheit ist ein wichtiges öffentliches Interesse. Allerdings stellt sich in letzter Zeit immer mehr die Frage, wo der objektive Schutz der Volksgesundheit seine Grenzen hat, und wo ein auf Kosten der Steuerzahler stattfindender Moralismus seinen Anfang findet. Die Grenzen beginnen sich immer mehr zu verwischen.

Alkoholverbot in der zweiten Halbzeit

Bis zum 15. Januar dieses Jahres gab das Bundesamt für Gesundheit zwei nationale Präventionsprogramme in die Vernehmlassung. Inhalt des einen so genannten "Nationalen Alkoholprogramms 2008-2012" sind sehr weit gehende Einschränkungen der Bürger. So soll Alkohol als Genussmittel aus Sportveranstaltungen und aus der Werbung verbannt werden. Zudem schlägt das BAG gar eine Verkaufseinschränkung für alkoholische Getränke im Detailhandel zwischen 21 Uhr und 7 Uhr vor. Weiter sollen teure Aktionsprogramme, Internetportale, Behandlungsangebote, Kurzinterventionen, massenmediale Kampagnen, Informationsmaterial, Begleitgruppen und Treffpunkte geschaffen werden. Dies gibt der Verwaltung Arbeit und fördert die Tätigkeit von Beratungsfirmen, trägt aber nichts zur Steigerung der Volksgesundheit bei.

Weiter soll den Brauereien vorgeschrieben werden, wie die Getränke zu erscheinen haben (Wahl der Flaschen), und es werden sogar Vorschriften über die Preissetzung von alkoholfreien und alkoholischen Getränken gemacht. Der Aktivismus und die Hektik im Bundesamt für Gesundheit, welche nun auch das Thema "Alkoholkonsum" erfassen, sind vollkommen unbegründet. Auch wenn exzessiver Alkoholkonsum immer wieder vorkommt, so gilt es doch die Fakten im Auge zu behalten. Der Alkoholkonsum pro Kopf ist in den letzten zwanzig Jahren deutlich zurückgegangen. Während 1985 der Alkoholkonsum pro Kopf noch bei 11,2 Litern lag, wurden im Jahr 2006 gerade einmal noch 8,6 Liter pro Kopf konsumiert.

Auch Fettleibige werden stigmatisiert

Dasselbe Bild ergibt die Lektüre der Vernehmlassungsunterlagen des so genannten "Nationalen Programm Bewegung und Ernährung 2008 - 2012". Doch statt die Biertrinker, sind hier die Fettleibigen die Opfer der staatlichen Propaganda. So schreibt das BAG im Vernehmlassungsbericht beispielsweise: "Die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit hat weltweit epidemische Ausmasse angenommen." Selbstverständlich kann es sein, dass Übergewicht gewisse Krankheitsbilder wie etwa Bluthochdruck begünstigt. Allerdings vermeiden es die Gesundheitssektierer des BAG zu erwähnen, dass Übergewicht auch zu einer Verminderung des Gesundheitsrisikos bei Krankheitsbildern wie etwa Parkinson, Lungenkrebs und Alzheimer führt. Und verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen, dass Übergewicht nicht notwendigerweise negative Folgen für die Gesundheit haben muss.

Im November 2007 erklärten das amerikanische National Cancer Institute und die Centers for Desease Control sogar, dass leichtes Übergewicht die Sterblichkeitsrate senke und eine grosse Studie amerikanischer Herz- und Kreislaufspezialisten und Internisten, die 2006 in der Medizinalzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde, kommt sogar zum Schluss, dass Übergewichtige nicht nur insgesamt gesünder sind, sondern sogar noch seltener an Herz- und Kreislauferkrankungen sterben.

Missionarischer Eifer

Der missionarische Eifer und Interventionismus des BAG ist schier unerträglich. Beim Fett betreibt das BAG gar eine regelrechte Fettleibigkeitshysterie - vergleichbar mit der irrationalen Waldsterben-Hetze, welche sich vor zwei Jahrzehnten abspielte. Es steht dabei viel weniger das Wohl der Bürger als der Ausbau der staatlichen Tätigkeit und die Einschränkung der bürgerlichen Freiheit im Vordergrund. Das gleiche Bild bei der Alkoholprävention. Wer die Unterlagen des BAG liest, stösst auf folgende Passagen: "Den Umgang mit Alkohol lernen", die "individuelle Gesundheitskompetenz der Bürger stärken" und als besonders stossend will das BAG nicht nur Süchtige unterstützen, sondern auch jene Personen, "welche den Alkoholkonsum im Griff haben". Weiter will das BAG "individuelle Verhaltensänderungen" und "kollektive Lernprozesse" der Bevölkerung fördern.

Vollrausch für drei Franken

Der Bürger wird vom Bundesamt für Gesundheit einmal mehr als unmündiger Idiot bezeichnet, welcher nicht fähig ist, die Risiken für seine Gesundheit selber abzuschätzen. "Bravo! Weniger Rauch, mehr Leben", "arbeitsplatz.rauchfrei", "Vollrausch für drei Franken" sind nur einige der fragwürdigen BAG-Kampagnen. Gleichzeitig ist aus dem BAG kein Wort über die schädlichen Folgen des Kiffens zu hören, obwohl letzten Sommer eine Studie von Forschern der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zum Schluss gekommen ist, dass das Risiko für Schizophrenien und andere Psychosen durch den Cannabis-Konsum stark erhöht wird. Befürchtungen, dass die Suizidrate und die psychischen Erkrankungen von Jugendlichen in unserem Land auf den Cannabis-Konsum zurückzuführen sind, können bis heute nicht entkräftet werden. Einmal mehr weigern sich die Gutmenschen im BAG aus ideologischen Gründen, sich mit den wahren Problemen der Gesundheitsgefährdung auseinander zu setzen.

Aids-Politik provoziert Ansteckung!

Das wohl bizarrste Beispiel der verfehlten Präventionspolitik ist die Bekämpfung der Aids-Seuche. Obwohl, wie international publik wurde, das Ansteckungsrisiko bei Heterosexuellen relativ gering ist, und die Risikogruppen in der Schweiz klar als ausländisch, drogensüchtig und schwul bezeichnet werden müssen, betreibt das BAG seit Jahren eine "demokratische Aidspolitik". Die ganze Bevölkerung soll gemäss BAG-Propaganda gleichermassen von der Immunschwächekrankheit betroffen sein, obwohl dem objektiv nicht so ist. Während das Risiko bei den Heterosexuellen rückläufig ist, steigt es unter den Homosexuellen in der Schweiz Jahr für Jahr an. Doch dies wird von der Aids-Präventionsabteilung des BAG und der Aids-Hilfe, grosszügig verschwiegen oder nur am Rande erwähnt. Neuerdings geht das BAG als weltweit erste staatliche Stelle sogar soweit, den ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV-Positiven, welche sich in einer antiviralen Therapie befinden, als ungefährlich zu taxieren.

Man stelle sich vor - das gleiche Amt, welches ein Verkaufsverbot für Alkohol in der Nacht fordert und Raucher systematisch hetzt, propagiert ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV-Infizierten als harmlos! Geht es dem BAG wirklich um die Senkung der von der Aids-Seuche betroffenen Personen - oder nur um das salonfähig machen von Darkrooms? Und wieso wendet das BAG nicht das existierende Bundesgesetz über die Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten beim Menschen konsequent an und führt systematische Kontrollen von Risikogruppen ein, wie dies in den USA bereits praktiziert wird.

Couchepin: Hüter der Unfreiheit

Die Missstände im Bundesamt für Gesundheit sind riesig. Und immer mehr Fragen zur Förderung der Volksgesundheit stehen offen im Raum. Doch das BAG ist nicht einmal der einzige Laden auf Bundesebene, welcher in der Gesundheitsprävention mitmischt. Auch die Stiftung für Gesundheitsförderung hat pro Jahr über 17 Millionen aus Krankenkassenprämien für teilweise hoch fragwürdige Projekte zur Verfügung (130'000 Franken für Hip-Hop Tanzgruppen für Mädchen oder 212'000 Franken zur Förderung der Lebensqualität in sozialistischen Städten der Westschweiz). Sogar Departementsvorsteher Couchepin scheint mittlerweile den Überblick über das staatliche Sektierertum im Namen der Gesundheit verloren zu haben. Aus diesem Grund liess er Ende Februar eine Anhörung durchführen, zu der betroffene Subventionsempfänger eingeladen wurden. Vorgestellt wurde der Entwurf für ein Präventionsgesetz, welches die Bürger noch professioneller umerziehen und die Geldflüsse regeln soll. Es entbehrt aber denn aber nicht einer gewissen Ironie, dass die Einladung der betroffenen Vertreter aus Wirtschaft und Gewerbe vergessen gegangen ist. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse geboten werden - im Namen der Gesundheit!

publiziert in der Schweizerzeit am 6. März 2008

07.03.2008 | 1117 Aufrufe