Ein Zeichen, dass Romanshorn nicht mehr gewillt ist, die überbordenden Auswüchse der Luzerner SKOS-Oberen in jedem Falle mitzutragen und die SKOS-Richtlinien wo nötig in Frage zu stellen. Dass Romanshorn aber relativ zur Grösse und Bevölkerung tiefe Sozialhilfeausgaben hat, hat mit der seit Jahren sehr guten Arbeit der sozialen Dienste der Hafenstadt zu tun. Diese nutzen den Spielraum der kantonalen Gesetzgebung im Sinne der Gemeinde aus. Es gibt keine Klagen. Bevölkerung, Behörden und Bürger sind zufrieden. Ganz anders in Arbon, welches von der Struktur her durchaus vergleichbar ist. Im Jahr 2013 gab Romanshorn 1.39 Millionen Franken für die Sozialhilfe aus, Amriswil 1.84 und Arbon 4.34. Dies bedeutet im Falle von Romanshorn 134, in Amriswil 147 und in Arbon 310 Franken pro Einwohner. Pro Einwohner gibt also Arbon rund 2.3 mal so viel für die Sozialhilfe aus wie Romanshorn und mehr als doppelt so viel wie Amriswil!  Was ist zu tun? Der erste und zugleich wichtigste Schritt wäre wohl schon dann erreicht, wenn man in Arbon merkte, dass effektiv Handlungsbedarf besteht! Danach wäre es wohl zielführend, wenn sich die Verantwortlichen in meiner Geburtsstadt einmal mit Kollegen in vergleichbaren Thurgauer Gemeinden austauschten. Und drittens wäre auch ein Blick in die Möglichkeiten des Thurgauer Sozialhilfegesetzes wünschenswert. Denn der Thurgauer Gesetzgeber hat bewusst Möglichkeiten geschaffen. So muss zum Beispiel eine zumutbare Arbeit angenommen werden, ansonsten kann gekürzt oder eingestellt werden (§8b),  Verwandte müssen unterstützt werden (§18) und zu Unrecht bezogene Leistungen müssen zurückerstattet werden (§19). Die Möglichkeiten wären da – relevant ist, wie die Gemeinden ihren Vollzug ausgestalten. Wird dies konsequent gemacht, wird Arbor sicherlich bald wieder felix.

Oberthurgauer Nachrichten, 26. Mai 2014.

26.05.2014 | 1283 Aufrufe