FRAUENFELD. Im August 2014 stoppte der Thurgauer Regierungsrat die Planung neuer Heimplätze. Neue Prognosen zeigten, dass der gesamtschweizerische Trend zu kürzeren Aufenthaltsdauern geht. Über 80jährige werden weniger Plätze brauchen. Der Regierungsrat will deshalb bis 2016 eine rechtskräftige Pflegeheimplanung erlassen. «Dieses Moratorium hat doch einigen Staub aufgewirbelt, das habe ich nicht erwartet», sagte Regierungsrat Jakob Stark am Mittwoch im Rathaus Frauenfeld. Er betonte deswegen «mit aller Deutlichkeit», dass die Versorgung gewährleistet sei. Die Auslastung liege unter dem Sollwert von 93 Prozent. Die Obergrenze der Betten beträgt derzeit 3222. Der Bau weiterer 300 Plätze ist bereits bewilligt. Das Moratorium betrifft nur die Planung, betonte Stark.

Neue Studie sagt Gegenteil

Der Grosse Rat diskutierte über eine Interpellation zum Moratorium, eingereicht von Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen), Josef Gemperle (CVP, Fischingen) und Christa Kaufmann (CVP, Bichelsee). Wohlfender wies auf eine eben erschienene Studie der CS hin, wonach der Pflegeplatz-Bedarf bis 2040 wegen der Baby-Boomer-Generation stark steigen wird.

In seiner Interpellationsantwort hatte der Regierungsrat das Personal als Kostentreiber bezeichnet. Der Kanton sei selber ein Kostentreiber, kommentierte Wohlfender, wobei ihr Urs Martin (SVP, Romanshorn) recht gab. Der Kanton habe die Anforderungen ans Personal erhöht.

Elisabeth Rickenbach (EVP, Thundorf) forderte mehr Personal: «Was nützen leere Betten?»

Die Pflegebetten reichten nicht aus, sagte Kaufmann. Angehörige seien überfordert von der Pflege der Dementen. Zudem nähmen die Einpersonenhaushalte zu, pflegende Nachkommen fehlten. Barbara Kern (SP, Kreuzlingen) möchte prüfen, ob Heimbewohner mit leichter Pflegebedürftigkeit von der Spitex betreut werden könnten. Gemperle entgegnete, zwei Drittel der Thurgauer Heimbewohner litten unter Demenz und könnten nicht zu Hause wohnen. Ueli Müller (CVP, Weinfelden) wehrte sich dagegen, dass die Spitex keine hauswirtschaftlichen Leistungen mehr erbringen kann. Wenn die Haushaltshilfe von der Pflegefachfrau instruiert werde, sei es eine Erleichterung für den Gepflegten.

Einbezug der Gemeinden

Kurt Baumann (SVP, Sirnach) appellierte an den Regierungsrat, die Gemeinden einzubeziehen, wenn es an die Planung der Restkostenfinanzierung gehe.

Thomas Wunderlin, Thurgauerzeitung, 2. Juli 2015.

02.07.2015 | 1586 Aufrufe