FRAUENFELD. Im Jahr 2014 hat der Kanton Thurgau rund 245 000 Franken für Bildungs- und Beschäftigungsmassnahmen ausgegeben. Das Geld zahlte er zu Gunsten von Personen, die keinen Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung haben. Will eine Person solche Leistungen beziehen, muss sie ein Gesuch an das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) stellen. 139 solcher Gesuche hat dieses – nach eingehender Prüfung – 2014 und 2015 insgesamt bewilligt. Das schreibt der Regierungsrat in der Antwort auf eine Einfache Anfrage von SVP-Kantonsrat Urs Martin (Romanshorn). Dieser zweifelte daran, dass alle Mittel, die der Kanton zugunsten von Arbeitslosen einsetzt, auch Erfolg bringen. Er warf dem AWA gar vor, die Mittel zu verschwenden, denn es unterstütze Personen, die via Familiennachzug oder als Flüchtlinge in die Schweiz kommen, kein Deutsch sprechen und denen mit Beratungsleistungen, Deutschkursen und Motivationssemestern geholfen wird. «Obwohl aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse kaum Aussicht auf längere Arbeitsintegration besteht.»

Zielorientierter Einsatz

Dem widerspricht der Regierungsrat: Die Arbeitsmarktfähigkeit der Gesuchsteller werde überprüft. Zudem muss die Person glaubhaft darlegen, dass sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen will und die beantragte Massnahme sie dazu befähigt. Die Gewährung der Massnahmen erfolge zurückhaltend und zielorientiert. Von den 139 bewilligten Gesuchen stammten 35 von Jugendlichen. Diese hätten ein Motivationssemester besucht, 70 Prozent davon hätten eine Anschlusslösung gefunden. Die restlichen Massnahmen betrafen Deutschkurse. 90 der Teilnehmer seien via Familiennachzug in die Schweiz gekommen. Nur sieben Personen hatten einen Flüchtlingshintergrund. Es könne also keine Rede davon sein, dass damit die Attraktivität des Kantons Thurgau bezüglich Migration gesteigert wird, wie Martin befürchtet. 

Michèle Vaterlaus, Thurgauerzeitung, 23. Januar 2016.

23.01.2016 | 1415 Aufrufe