ARBON. Die Arboner sind begeistert, doch andere reagieren lethargisch oder gar missmutig. Während Vertreter des Bodenseestädtlis Lobbying für einen Schnellzug in die Gallusstadt betreiben (siehe Kasten), kann sich der Kanton St. Gallen wenig für das Projekt erwärmen, und der Thurgauer Bund der Steuerzahler geht hart ins Gericht.

Anderes ist wichtiger

Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen, sagt: «Wir priorisieren die Bahnstrecke St. Gallen–Zürich, weil auf dieser Achse wesentlich grössere Personenströme unterwegs sind.» Ausserdem prüfe und bewerte das Bundesamt für Verkehr die Linie über Wittenbach für die Schnellverbindung. Und heute werde schon die Strecke von Wittenbach nach Romanshorn teuer saniert, sagt Ruggli.

Ungehaltener äussert sich Urs Martin, Vizepräsident des Bunds der Steuerzahler Thurgau. Kurzum ergäbe sich durch die Realisierung der neuen Bahnlinie «wenig zusätzlicher Nutzen» und es entstünden «hohe zusätzliche Kosten». Was die ÖV-Verbindungen anbelange, so käme man heute schon mit dem Schnellbus in zwanzig Minuten von Arbon nach St. Gallen. Jetzt noch zwischen 80 und 100 Millionen Franken für den Neubau auszugeben stehe in keinem Verhältnis. Ausserdem «sage man das so» – wie viel Geld man für das Projekt letzten Endes zahlen müsse, sei ungewiss.

Martin erachtet denn das Vorhaben als von der Stadt Arbon aufgeblasen, um «von den eigenen Problemen abzulenken». Der Vizepräsident spricht auf die kritische Finanzlage an. «Arbon steuert auf den Konkurs zu.» Alles in allem sei der Schnellzug ein Luftschloss, das gar nie kommen werde.

Balg soll selber schauen

Stadtpräsident Andreas Balg soll denn erst einmal Ordnung in der eigenen Gemeinde schaffen, bevor er sich stark mache für Projekte, an denen sich andere beteiligen. Abgesehen davon käme es durch den Neubau zu einem massiven Landverschleiss, und noch dazu werde die Umwelt verschmutzt, sagt Urs Martin.

Der Bund hat im Hinblick auf die Bahnlinie über Wittenbach noch keinen Entscheid gefällt. Indem er die Variante prüft, liegt das Projekt nicht mehr in Ostschweizer Händen. Trotzdem und trotz der Kritik – und auch Zweifel zur Finanzierbarkeit, wie sie Nationalrätin Edith Graf-Litscher geäussert hat – will sich Arbon für das Vorhaben stark machen, wie Stadtpräsident Andreas Balg sagt.

TANJA VON ARX, Thurgauerzeitung, 1. Juli 2016

01.07.2016 | 4239 Aufrufe